Sauberes Wasser durch die Kraft der Luft

Innovatives Umweltunternehmen QWAIR Group strebt Kooperation in Jieyang an

 Anja Barlen-Herbig |   |  MEC–Unternehmen , Galvanik , Umwelt , Metallindustrie

Wasserreinigung durch die Kraft der Luft – was sich erstaunlich anhört, ist bei der QWAIR Group Realität. Das deutsche Unternehmen aus Heilbronn kombiniert verunreinigtes Wasser mit Luftenergie und erhält so sauberes Wasser. Das innovative Verfahren soll künftig im Galvanikpark der Metal Eco City (MEC) zum Einsatz kommen. Die QWAIR Group und das chinesische Unternehmen Guangdong Guanya Environmental Protection Science and Technology Co., Ltd. unterzeichneten in Jieyang Ende Dezember ein entsprechendes „Memorandum of Understanding“.
„Unsere Entwicklung ist einzigartig. Filter, Membran, Chemikalien, biologische Stoffe – all dies sind bekannte Verfahren bei der Wasseraufbereitung. Wir nutzen die Kraft der Luft “, erklärt Geschäftsführer Stefan Flinspach. „Durch die Kombination von Luft, einer rotierenden Oberfläche und thermischer Energie wird das Schmutzwasser gereinigt. Dieser Prozess kommt dem Prinzip der Verdunstung sehr nahe – es ist der gleiche Prozess wie beim Entstehen von Regen.“ Die Technik von QWAIR arbeitet in einem Temperaturbereich zwischen 60 und 80 Grad Celsius. Deshalb benötigt sie wesentlich weniger Energie als herkömmliche Reinigungsverfahren. Ob Gewinnung von Trinkwasser aus Meerwasser, Aufbereitung von Schmutzwasser oder Industrieabwässern – die Einsatzmöglichkeiten der Technik sind breit gefächert.
In der Metal Eco City wird der Fokus auf der Reinigung von galvanischen Abwässern liegen. Jieyang gilt als Metall-Mekka Chinas – mehr als 7.000 Unternehmen mit 400.000 Mitarbeitern sind in der Branche tätig. Am Jieyanger Modell soll aufgezeigt werden, wie sich die Galvanikproduktion zu einem „grünen“ Industriezweig entwickeln kann.
„QWAIR nutzt die Chancen, die sich aktuell deutschen Mittelständlern in China eröffnen“, freut sich Mike de Vries, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zhongde Metal Group GmbH. „Der Bedarf an innovativer Umwelttechnologie ist enorm. China will seine Umweltziele erreichen. Doch für einen erfolgreichen Markteinstieg ist der richtige Partner entscheidend. Die MEC wird als einziger Industriepark in China von einem deutschen Management begleitet. Das zahlt sich für die Unternehmen aus.“
Stefan Flinspach kann dies bestätigen. „Ich sehe in China einen riesigen Markt für unsere Technologie. Doch ganz wesentlich für unsere Entscheidung nach China zu gehen, war die Wahl des richtigen Partners. Professionelle Begleitung und Beratung, Transparenz und Seriosität geben uns Sicherheit. Wir haben den richtigen Partner gefunden.“ Angst, dass die QWAIR-Technologie kopiert werden könnte, hat Flinspach nicht. „Es gibt keinen 100prozentigen Schutz, doch unser Know-how steckt in der Umsetzung. Wir werden die Technologie immer weiterentwickeln und dadurch vorne dran bleiben.“
QWAIR ist ein junges Unternehmen, das 2013 gegründet wurde. Ohne Fördermittel haben die beiden Gründer Stefan Flinspach und Matthias Enzenhofer inzwischen einen einstelligen Millionenbetrag in ihre Entwicklung investiert. Bevor sie die Pilotanlage bauen ließen, beschäftigten sie sich zehn Jahre mit der Entwicklung des Verfahrens. Die mobile Pilotanlage war schon mehrere tausend Stunden im Einsatz – zuletzt in der Textilindustrie. Das Interesse an der neuen Technologie besteht weltweit. In Jieyang ist im ersten Quartal 2017 die erste Testphase geplant. Auf der Basis dieser Erkenntnisse werden die weiteren Weichen gestellt.